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Schlüsselbegriffe der NMS Unterrichtsentwicklung (Lerndesign) | Kernideen und Fragen zur Reflexion


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Diversität: Was ist gemeint und worum geht es?

 

"Jede/r ist anders anders!"

… ist die Kernidee der NMS-Unterrichtsentwicklung im Bereich Diversität.

Aus dieser Kernideen heraus wird der Interventionscharakter von Schule und das Spannungsfeld zwischen Individualität und Bildungszielen bewusst.

Unser gemeinsamer Nenner ist die Unterschiedlichkeit (Jede/r ist anders anders!), die durch unsere Individualität erzeugt wird. Das System Schule geht allerdings von der Vorstellung eines Durchschnittsschüler/einer Durchschnittsschülerin aus, den/die es in Wirklichkeit nicht gibt.

Diese Vorstellung kann blind machen und birgt die Gefahr in sich, dass sich Schule und somit auch der Unterricht aus Kompromissgründen an Mittelmäßigkeit orientiert.

Diversität gehört zum Inklusionsdiskurs. Während im Heterogenitätsdiskurs die unweigerliche Pluralität der Gesellschaft problematisiert wird (ich muss mit Heterogenität "umgehen", weil sie "im Weg" ist), steht Diversität für eine andere Haltung: in der Pluralität steckt Potential, das ausgeschöpft werden kann und soll. Dazu gehören eine bestimmte Betrachtungsweise und eine geschulte Wahrnehmung.

Statt Menschen nach vereinfachten, binären Kategorien von Unterschieden wahrzunehmen (etwa wie männlich-weiblich, bildungsnah-bildungsfern, usw.), erkennen wir die Komplexität des Einzelnen an (z.B. sie wächst am Bauernhof auf, spricht zu Hause Dialekt, verwendet Hochdeutsch als Bildungssprache, ist geisteswissenschaftlich orientiert, liest gern, mag Schule, arbeitet am Hof jeden Tag mit, ist das älteste Kind der Familie, singt in der Musikkapelle, leidet an einer Verletzung der Wirbelsäule).

Der Fachbegriff für diese Komplexität ist "Intersektionalität". Er deutet auf die Überschneidungen von binären Kategorien in der Biographie, die eine Person ausmacht.

Im Bereich der Differenz & Diversität geht es um die pädagogische Fähigkeit, die Rolle von Differenz in einer Schulgemeinschaft sowie die Rolle des eigenen Unterrichts bei der Differenzbildung zu erkennen, um diese bewusst zu gestalten.

Daher erfordert ein differenzsensibler Unterricht die Anerkennung von Unterschieden, aber auch den Blick dafür, welche Differenzen Schule und Unterricht produziert und welche nicht.

Zu diesem Themenfeld gehören u.a. Biographiearbeit, Wahrnehmungsschulung und bewusster Umgang mit Machtverhältnissen im System.

 

Weitere Kernideen zu Differenz und Diversität:

  • Schule macht aus einem Kind einen Schüler/eine Schülerin. (vgl. Lippitz)
  • Gleichbehandlung positioniert Ungleichheit, gleichwertige Behandlung ermöglicht Chancen. (vgl. Güngör)
  • Diversität ist Normalität.

 

VERTIEFUNG:

Ein zentrales Thema in der Mittelschule ist „academic diversity“. Damit sind die Unterschiede beim Lernen gemeint, welche aus entwicklungspsychologischer Sicht in dieser Altersgruppe besonders vielfältig sind:

„It can be argued that the middle-grade years constitute the greatest learner variability of any segment in school. Dissimilar rates of growth are a defining element of middle school. Students of the same age vary tremendously in intellectual development, as they do in physical, emotional, and moral development.

Schools that aspire to be successful in educating young adolescents must vigorously attend to their varying needs, interests, and readiness levels.” (Carol Ann Tomlinson & Caroline Cunningham Eidson, zitiert von der National Middle School Association, aus Differentiation in Practice, A resource guide for differentiating curriculum, Grades 5-9, 1995.)

 

Video zu Differenz und Diversität

Video zu Differenzierung nach Vorwissen, Interessen und Lernprofilen

Video zu Differenzierung der Lerninhalte, Lernprozesse, Lernprodukte und des Lernumfeldes

 

Reflexionsfragen für die eigene Praxis 

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Unterlagen - Verstehen/ Tun können/ Wissen zu Differenz und Diversität

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