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Schlüsselbegriffe der NMS Unterrichtsentwicklung (Lerndesign) | Kernideen und Fragen zur Reflexion


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Flexible Differenzierung

Botschaften der Flexiblen Differenzierung

 

Die Botschaften der Flexiblen Differenzierung(von Tanja Westfall-Greiter nach Carol Ann Tomlinson)Elfriede Binder

  • Wir haben wichtige Arbeit zu tun.
  • Es ist mir wichtig, dass alle verstehen, warum diese Arbeit wichtig ist.
  • Jede/r von uns wird diese wesentlichen Ziele erreichen.
  • Während wir individuell neue Erkenntnisse gewinnen, unser Wissen erweitern, neue Fertigkeiten entwickeln, müssen wir uns auch als Gemeinschaft weiter entwickeln.
  • Wir haben Vieles gemeinsam.
  • Wir haben unterschiedliche Erfahrungen, Begabungen, Perspektiven, Kulturen, Gewohnheiten, Eigenschaften und Vorlieben.
  • Wegen dieser Unterschiede werden wir alle unsere Ziele unterschiedlich angehen. Dafür gibt es unterschiedliche Zeitpläne und unterschiedliche Unterstützungssysteme.
  • Es ist meine Aufgabe, euch die notwendige Ermutigung und Unterstützung zu geben.
  • Die Ziele sind nicht verhandelbar, die Prozesse aber schon.
  • Ich werde die Ziele im Blick haben.
  • Wir brauchen Zusammenarbeit und Rückmeldung um sicher zu stellen, dass alle die Ziele erreichen.
  • Ich werde unseren Fortschritt kontinuierlich kontrollieren, euch die Ergebnisse mitteilen und sie verwenden, um euch besser individuell und als Gruppe zu begleiten.
  • Ich brauche eure Perspektiven, um von euch zu lernen. Ich höre zu, ich schaue hin.

Carol Ann Tomlinson

Elfriede Binder

Carol Ann Tomlinson ist Lehrerin, Universitätsprofessorin, Buchautorin und Differenzierungsexpertin aus den USA, deren Einstellung zu Differenzierung im Unterricht in folgendem Zitat auf den Punkt gebracht werden kann:

“Differentiated instruction is a way of thinking about the classroom with the dual goal of honoring each student’s learning needs and maximizing each student’s learning capacity.” (C.A. Tomlinson, Caroline Cunningham Eidson, Differentiation in Practice, A resource guide for differentiating curriculum, Grades 5-9, 3).

Carol Ann Tomlinson arbeitet seit vielen Jahren mit LehrerInnen in den Vereinigten Staaten und im Ausland, die ihren Unterricht in zunehmendem Maße für Lernende mit unterschiedlichen Voraussetzungen ansprechend und zielführend gestalten möchten.

Die Unterrichtsentwicklung der Neuen Mittelschule basiert auf Carol Ann Tomlinsons Differenzierungsmodell und setzt es unter dem Begriff „Flexible Differenzierung“ um.

Carol ist Autorin und Co-Autorin von über 200 Büchern, Buchkapiteln, Artikeln und Unterrichtsmaterialien für den differenzierten Unterricht.

  • „How to differentiate instruction in mixed ability classrooms“
  • “The differentiated Classroom: Responding to the needs of all learners”
  • “Fulfilling the promise of the Differentiated Classroom”
  • “Differentiation in Practice, Grades K-5”
  • “Differentiation in Practice, Grades 5-9”
  • “Differentiation in Practice, Grade 9-12”
  • “Integrating Differentiated Instruction and Understanding by Design: Connecting Content and Kids”, Carol Ann Tomlinson und Jay McTighe
  • “The Differentiated School: Making Revolutionary Changes in Teaching and Learning”, Carol Ann Tomlinson, Kay Brimijoin und Lane Narvaez

VERTIEFUNG:


Differenzierung

Elfriede Binder

Differenzierung ist das Erkennen von Differenzen in einer Lerngemeinschaft, das zu einer Berücksichtigung der Unterschiedlichkeiten der Lernenden durch eine entsprechende Unterrichtsgestaltung führt.

Differenzierung ist vielmehr eine Philosophie oder Haltung (differenzsensibel unterrichten) als eine Unterrichtsstrategie oder eine Programmatik.

Die flexible (innere) Differenzierung der Neuen Mittelschule lebt vom Prinzip permanent wechselnder Gruppierung von Lernenden, die in der Praxis zu einer starken, inklusiven Lernumgebung für alle führt.

Dabei berücksichtigt die Lehrperson die Bereitschaft, Interessen und Lernprofile der Lernenden, um die Lerninhalte, Lernprozesse, Lernprodukte und das Lernumfeld für die Lernenden zu optimieren, damit sie bestmögliche Lernchancen haben.

Transparente Beurteilungskriterien, hoher Anspruch, kontinuierliche Lernstandserhebungen und respektvolle, authentische Aufgaben sind Merkmale dieser Praxis.

In der NMS-Entwicklungsarbeit wird mit dem Differenzierungsmodell der Differenzierungsexpertin, Lehrerin und Autorin Carol Ann Tomlinson gearbeitet.


Flexible Differenzierung: Reflexionsfragen für die eigene Praxis

Reflexionsfragen für die eigene Praxis

  • Was ist fair?

  • Bin ich mir klar darüber, was meine Schüler/innen in ihrem „Rucksack“ mit in die Schule bringen?

  • Wie gehe ich mit „Mitbringseln“ meiner SchülerInnen um, die ich nicht beeinflussen kann?

  • Wie gehe ich mit Tatsachen um, die ich nicht ändern kann?

  • „Bejammere“ ich Tatsachen, die ich nicht ändern kann, oder versuche ich, etwas damit zu machen?

  • Kann ich meinen Unterricht mit Blick auf das große Ziel und im Bewusstsein der Unterschiedlichkeit meiner Schüler/innen proaktiv gestalten?

  • Kann ich im Unterricht flexibel agieren, um meine Schüler/innen auf dem Weg zum Ziel bestmöglich zu unterstützen?

  • Wie kann ich herausfinden, welche Interessen meine Schüler/innen haben?
  • Welche Möglichkeiten habe ich, mir Klarheit über die unterschiedlichen Vorerfahrungen und das unterschiedliche Vorwissen meiner Schüler/innen in Bezug auf einen neuen Lerninhalt zu verschaffen?
  • Weiß ich über die unterschiedlichen Lernprofile meiner Schüler/innen Bescheid?

  • Kann ich mehrere Lernwege anbieten, um den Lernpräferenzen aller meiner Schüler/innen gerecht zu werden?

  • Kann ich Unterrichtsinhalte so anbieten, dass ich den unterschiedlichen Vorerfahrungen und dem unterschiedlichen Vorwissen, den unterschiedlichen Lernprofilen und den unterschiedlichen Interessen meiner Schüler/innen gerecht werden?

  • Kann ich meinen Schüler/innen mehrere Möglichkeiten anbieten , damit sie zeigen können, was sie gelernt haben bzw. zu leisten imstande sind?

  • Wie Augenmerk habe ich auf das Lernumfeld? Trage ich Sorge dafür, dass sich meine Schüler/innen in der Schule wohlfühlen?

  • Welche Maßnahmen setze ich, damit sich aus einer Gruppe von Schüler/innen eine produktive Lerngemeinschaft entwickeln kann, in der sich jede/r willkommen und angenommen fühlt?

  • Wie gestalte ich das Klassenzimmer? Ist es optimal für „bewegten Unterricht“, in dem die Schüler/innen in immer wieder wechselnden Gruppierungen arbeiten und lernen? 

 

Was ist gemeint und worum geht es?

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 Unterlagen - Verstehen/ Tun können/ Wissen zur Flexiblen Differenzierung

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Flexible Differenzierung: Was ist gemeint und worum geht es?

 

Erfolg = hoher Anspruch + bedarfsgerechte Förderung

Differenzierung ist das Erkennen von Differenzen in einer Lerngemeinschaft, das zu einer Berücksichtigung der Unterschiedlichkeiten der Lernenden durch eine entsprechende Unterrichtsgestaltung führt. Die flexible (innere) Differenzierung der Neuen Mittelschule lebt vom Prinzip permanent wechselnder Gruppierung von Lernenden, die in der Praxis zu einer starken, inklusiven Lernumgebung für alle führt. Es geht hier um "academic diversity", d.h. die Unterschiede, die für den schulischen Erfolg relevant sind:

  • Was ist relevant für den schulischen Erfolg?
  •  Was bringen Schülerinnen und Schüler idealtypisch in ihrem Rucksack mit?
  • Was brauchen Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Lehrertasche, um proaktiv und produktiv mit academic diversity umzugehen?

Dabei berücksichtigt die Lehrperson das Vorwissen, die Interessen und die Lernprofile der Lernenden, um die Lerninhalte, Lernprozesse, Lernprodukte und das Lernumfeld für die Lernenden zu optimieren, damit sie bestmögliche Lernchancen haben. Differenzierungsmaßnahmen werden nicht nach dem Gießenkannenprinzip, d.h. möglichst viel öglichst oft, sondern strategisch eingesetzt. Um eine Differenzierungsstrategie zu bestimmen, braucht die Lehrperson aktuelle Informationen über den Lernstarnd der Schüler/innen. (siehe "Formative Leistungsbeurteilung")

Transparente Beurteilungskriterien, hoher Anspruch, kontinuierliche Lernstandserhebungen und respektvolle, authentische Aufgaben sind Merkmale dieser Praxis.

In der NMS-Entwicklungsarbeit wird mit dem Differenzierungsmodell der Differenzierungsexpertin, Lehrerin und Autorin Carol Ann Tomlinson gearbeitet. In diesem Modell – welches keine Programmatik, sondern ein heuristisches Instrument für Überlegungen ist, die zu einem wirksamen Unterricht hinsichtlich der Lernergebnisse der SchülerInnen führen- werden die fachliche Bereitschaft (Vorwissen und Vorerfahrung) der SchülerInnen in Bezug auf einen bestimmten Lerninhalt zu einer bestimmten Zeit, ihre Interessen und Lernprofile berücksichtigt, um Lerninhalte, Lernprozesse, Lernprodukte und das Lernumfeld so gestalten zu können, dass allen SchülerInnen maximaler Lernerfolg ermöglicht wird.

 

 

Schülerfaktoren berücksichtigen

Differenzierung nach Interessen bewirkt eine höhere Motivation von SchülerInnen.

Differenzierung nach Lernprofilen führt zu größtmöglicher Effizienz im Lernen.

Differenzierung nach Lernbereitschaft ermöglicht Lernzuwachs.

Zitate von Carol Ann Tomlinson:

“Differentiating instruction is not an instructional strategy or a teaching model. It’s a way of thinking about teaching and learning that advocates beginning where individuals are rather than with a prescribed plan of action, which ignores student readiness, interest, and learing profile. It is a way of thinking that challenges how educators typically envision assessment, teaching, learning, classroom rules, use of time, and curriculum.” (The Differentiated Classroom, 108).

“A young teacher working hard to implement a differentiated classroom recently reflected, ’Differentiated instruction isn’t a strategy. It’s a way of thinking all you do when you teach and all that the kids do when they learn.’ Not only is she correct, but her insight offers important guidance. Instead of first focusing on what to do in the classroom, it’s wisest to focus on how to think about teaching and learning.” (The Differentiated Classroom, 96)

 

Weitere Kernideen zur flexiblen Differenzierung:

  • Wir lernen unterschiedlich.
  • Wir haben unterschiedliche Interessen.
  • Wir bringen unterschiedliche Erfahrungen, Konzepte, Kompetenzen und Vorwissen mit uns.
  • Nach dem Motto "one size does not fit all" erkennen wir die unterschiedlichen Bedürfnissen in den drei Bereichen Bereitschaft, Interessen und Lernprofile und gehen proaktiv auf sie ein.
  • Viele Wege führen zum Ziel.
  • Gleichbehandlung ist nicht gerecht.
  • Gleichwertige Behandlung sichert Chancengerechtigkeit.
  • Jedes Kind will in der Schule seinen Platz finden.
  • Der Unterricht wird proaktiv und rückwärts vom großen Ziel gestaltet, um flexibel agieren und die Schüler/innen auf dem Weg zum Ziel bestmöglich unterstützen zu können.

 

Video zur Flexiblen Differenzierung

Video: Unterrichtsentwicklung der NMS, Flexible Differenzierung, Lernbereitschaft, Lernprofil, Interesse

Differenzierung der Lerninhalte, Lernprozesse, Lernprodukte und des Lernumfelds

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Reflexionsfragen für die eigene Praxis

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Unterlagen - Verstehen/ Tun können/ Wissen zur Flexiblen Differenzierung

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Mythen der Flexiblen Differenzierung

Elfriede Binder

  • Differenzierung ist nur für SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen.
  • Differenzierung ist etwas Zusätzliches, das wir machen, wenn wir Zeit haben.
  • Differenzierung = Kuschelpädagogik.
  • Differenzierung ist konträr zu den Bildungsstandards.
  • Differenzierung ist ein Methodenset, mit dem wir unterrichten können.
  • Differenzierung = Bildung von homogenen Gruppen innerhalb der Klasse.
  • Differenzierung = Individualisierung
  • Differenzierung = mehr für die einen, weniger für die anderen.

Personalisierung und Individualisierung

Elfriede Binder

In der NMS bezeichnet Personalisierung die Grundkategorie von Erziehung und Bildung des
einzelnen Menschen, die über Prozesse des personalisierbaren Lernens wirksam wird.

Lernen ist das Persönlichste auf der Welt, weshalb die Urheberschaft für das Lernen und die Steuerung der Lernprozesse für die persönliche Entwicklung bei der einzelnen Person liegt.

Der Unterschied zwischen Personalisierung und Individualisierung liegt in dieser Urheberschaft:

während die Lehrperson bei der Individualisierung Lerninhalte und Lernprozesse für das Kind maßgeschneidert vorbereitet und anbietet (der Individualisierungsbegriff enthält auch ein pädagogisches Plädoyer, jedes Kind wahrzunehmen und anzuerkennen), wird Personalisierung unweigerlich vom Kind gemacht.

Je offener und differenzfähiger der Unterricht, desto höher wird die Personalisierbarkeit.

VERTIEFUNG: